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Cannibal Diner

(BRD 2012)

Originaltitel: Cannibal Diner
Alternativtitel:
Regie:
Frank W. Montag
Darsteller/Sprecher: Alexandra Lesch, Kristiana Rohder, Lara Baum, Alexandra Jordan, Violetta Schurawlow, Mike Zick, Dominik Schneider, Celina Klemenz, Indira Madison, Jessica Klauss, Sascha Litter,
Genre: - Horror/Splatter/Mystery


Kati will mit ein paar Freundinnen den Geburtstag ihrer Schwester in einem abgelegenen Waldstück feiern. Auf dem Weg dorthin verfährt sie sich und als sie eine Landstreicherin nach dem Weg fragt, wird ihr Auto geklaut. Sie irrt auf der Suche nach Hilfe durch den Wald und landet in einer alten, abbruchreifen Fabrikruine. Dort haust eine Gruppe von kannibalistischen Hinterwäldlern, die bereits die anderen jungen Frauen in ihre Gewalt gebracht haben und nun Jagd auf Kati machen…

Der deutsche Independent-/Undergroundfilm hat in den letzten fast 30 Jahren eine Menge Wald- und Wiesenhorror hervorgebracht und einige Regisseure, die sich tatsächlichen einen Namen machen konnten (Bethmann, Schnaas, Rose) oder heute kulturell anerkannt sind (Schlingensieff, Buttgereit). Auch Frank W. Montag hat mit Amateur-Horror angefangen („Slasher“), doch schon ein zweiter Film „Cannibal Diner“ ist was das Budget angeht (zumindest gerüchteweise), über den Amateurstatus hinaus und darf wohl zu Recht Independentfilm genant werden.

War „Slasher“ noch in allen technischen und inhaltlichen Belangen ein echtes Amateurprodukt, hat sich all das bei „Cannibal Diner“ deutlich weiter entwickelt. Besonders, was Schnitt, Kameraführung, Ton, Soundtrack und Ausleuchtung angeht. Kann man schon von sehr ordentlicher Arbeit sprechen. Auch die Darsteller sind „richtige“ Schauspieler, wenn auch noch nicht bekannt und bisher höchstens in kleineren Fernsehrollen aufgetreten. Recht überzeugend ist außerdem das kleine Mädchen der Kannibalenfamilie.

An der Umsetzung gibt es also wenig auszusetzen. Mit 75 Minuten Laufzeit scheint der Film auch keine Überlänge zu haben, wie viele andere Produktionen dieser Art. Und doch liegt genau hier das große inhaltliche Problem von „Cannibal Diner“. Das Drehbuch gibt inhaltlich einfach nicht genug her. Die Mischung aus Motiven von „Texas Chainsaw Massacre“, „Muttertag“ und „Wrong Turn“ ist typischer Backwood-Horror, wie man ihn schon zigfach gesehen hat. Da gibt es absolut keiner Überraschungen. Ärgerlich sind wie üblich bei derartigen Filmen Logiklöcher und die unrealistische Handlungsweise der Figuren. Warum läuft Kati, nachdem ihr Auto geklaut wurde in den Wald statt wie jeder normale Mensch auf der Straße nach Hilfe zu suchen? Irgendwann würde ja auf jeden Fall ein Auto vorbeikommen oder der nächste Ort erreicht werden, wo man Hilfe bekommen könnte.

Wäre der Film als 30minütiger Kurzfilm produziert worden – wie er ursprünglich auch mal angelegt war laut Audiokommentar – hätte ein harter, temporeicher Backwood-Slasher dabei herauskommen können. Für Spielfilmlänge gibt es aber zwischendurch immer wieder zu viel Leerlauf. Das soll sicher dem Aufbau von Atmosphäre dienen, gelingt aber leider nicht. Zwar ist die Fabrikruine ein sehr schöner, verwinkelter und düsterer Schauplatz, was auch für ein paar schön klaustrophobische Bilder genutzt wird, aber es passiert einfach zu wenig. Das wird leider auch nicht durch viele und harte Splattereffekte ausgeglichen. Zwar wird es hier und da etwas blutig, aber Gorehounds müssen trotzdem keinen Blick riskieren. Unnötig ist die teilweise Umsetzung im inzwischen ausgelutschten Found Footage-Stil,

Außerdem bieten die durchweg hübschen Darstellerinnen auch einiges für Männeraugen, auch nackte Tatsachen, aber gerade diese Szenen werden leider total selbstzweckhaft eingesetzt und sind für die Geschichte total unwichtig, so dass sie an Wirkung verlieren. Hier hätte man echt etwas weniger plakativ arbeiten sollen. Sehr schade, vor allem, weil die Werbung für den Film (Cover, Trailer, Musikvideo) total auf den „erotischen“ Szenen aufbaut und da einfach nicht halten kann, was sie verspricht.

Sehr schade, ein technisch gut gemachter kleiner Film scheitert an der Inhaltslosigkeit und dem unnötigen Willen, das Drehbuch auf Spielfilmlänge zu strecken. Die Schauwerte sind leider weder beim Blut noch bei den Titten (man möge mir den Begriff verzeihen) ausreichend. So bleibt ein Film, den man sich gerne mal als Horror-Allesgucker ansehen kann und der die Hoffnung weckt, dass, wenn an den Defiziten gearbeitet wird, der nächste Film richtig gut wird. Bei diversen internationalen Festivals konnte „Cannibal Diner“ zumindest schon einiges an Aufsehen erregen, was aber wohl vor allem an der guten technischen Umsetzung liegen dürfte.

Die deutsche Blu Ray ist bei 8 Films/Ascot Elite erschienen und bietet für eine Produktion dieser Größenordnung gute Bild- und Tonqualität. Der Ton ist deutsch, englische Untertitel kann man zuschalten, aber allzu viel geredet wird, zumindest in der zweiten Hälfte, eh nicht.

Das Bonusmaterial bietet einen Audiokommentar des Regisseurs mit dem Drehbuchautor, der ganz interessant ist. Dazu eine schöne Bildergalerie, unkommentiertes Behind The Scenes-Material, ein Musikvideo und den Trailer zum Film. (A.P.)



Seiten-Aufrufe seit 26.07.2014: 128


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