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So Was Von Da

(BRD 2018)

Originaltitel: So Was Von Da
Alternativtitel:
Regie:
Jakob Lass
Darsteller/Sprecher: Corinna Harfouch, Bela B, Tinka Fürst, Lana Cooper, David Schütter, Martina Schöne-Radunski, Leon Ullrich, Ariadna Rubio Lleo, Felix Maria Teppenfeld, Swiss, Mathias Bloech, Mira Wegert,
Genre: - Drama - Komödie - Musik/Musical


Oskar ist jung, denkt nicht an die Zukunft und betreibt einen angesagten Szeneclub in Hamburg, der kurz vor dem Abriss steht. An Silvester soll die letzte große Party steigen, mit DJs, Drogen, Livebands...und jeder Menge Problemen! Zum einen kriegt Oskar Druck von einem Kiez-Luden, der ihm einmal Geld geliehen hat, zum anderen taucht seine Ex-Freundin und große Liebe Mathilda auf der Party auf. Als auch noch die Innensenatorin der Stadt im Club nach ihrem kranken, aus dem Sanatorium abgehauenen Mann sucht und die Polizei den Club stürmt, eskaliert die Situation mit einem großen Knall. Aber wen interessiert schon der nächste Morgen?

Wann ging das eigentlich los, dass alle möglichen Leute unterschiedlicher Profession...gerne Musiker...meinten, „Szene“-Romane schreiben zu müssen? Vermutlich mit „Herr Lehmann“ von Sänger Sven Regener, bis heute der allerbeste, was die eigenen Fortsetzungen einschließt. Danach erschienen jede Menge Bücher wie „Dorfpunks“ von Rocko Schamoni, „Liegen lernen“ von Frank Goosen, „Fleisch Ist Mein Gemüse“ von Heinz Strunk, „Die Rote Gefahr“ von Haiko Herden und eben „So Was Von Da“ von Tino Hanekamp - und viele mehr. Allen gemein ist, dass sie auf absurd-realistische Weise über einen klar definierten Zeitraum das scheinbar alltägliche Leben eines Protagonisten und seines Umfeldes begleiten. Die Geschichten sind größtenteils fiktiv, spielen aber immer in einer realen Umgebung und enthalten biografische Details, mal deutlich erkennbar, oft verfremdet. Und natürlich begannen sich auch schnell die Filmemacher für die erfolgreichen Stoffe zu interessieren und auch hier gilt: „Herr Lehmann“ war gleich zu Beginn der Welle der einsame Höhepunkt.

Klar, dass auch Tino Hanekamps „So Was Von Da“ eine Umsetzung in bewegten Bildern erfahren hat. Hanekamp hat in Hamburg mehrere erfolgreiche Musik-Clubs aufgebaut, unter anderem das auch überregional bekannte Uebel + Gefaehrlich im alten Hochbunker auf Hamburg-St. Pauli. Und auch er musste einen Club wegen Gentrifizierungsmaßnahmen schließen, was natürlich deutlich erkennbar in Buch und Film eingeflossen ist. Der 2018 von Jakob Lass inszenierte Film hält sich von der Struktur her an die Episodenhaftigkeit des Buches. Die Handlung ist natürlich ebenso dünn, es geht hier eher um die Vermittlung eines Lebensgefühls, das die Oberflächlichkeit der Club-Generation zeigt, in dem es darum geht Party zu machen und nicht an die Zukunft zu denken. Alkohol und Drogen spielen dabei eine zentrale Rolle, um die Nächte zu überwiegend elektronischer Musik durchtanzen zu können. Dabei ist zwar ein gewisser Zusammenhalt innerhalb der Szene vorhanden, aber tiefergehende menschliche Beziehungen bleiben die Ausnahme. So scheitert die „große Liebe“ zwischen Oskar und Mathilda an ihrer Unbeholfenheit und der Unfähigkeit, miteinander zu reden. Das wird im Film aber nicht kritisiert, vielmehr erscheint der Film phasenweise wie ein reiner Drogentrip mit Bild- und Tonverfremdungen, flackerndem Licht und praktisch durchgehend hämmernden Beats. Manche Szenen sind kaum zu erkennen oder zu verstehen, hier und da weiß man als Zuschauer nicht mehr, ob das Geschehen real ist oder sich im Kopf der Figuren abspielt (manchmal ist letzteres aber auch klar erkennbar).

Die Hauptfiguren sind von eher unbekannten aber nicht unerfahrenen Darstellern besetzt, in den Nebenrollen hat man ein paar bekannte Schauspieler wie Corinna Harfouch und Bela B engagiert, die dann auch die überzeugendsten Leistungen abliefern. Ein schauspielerischer Totalausfall ist Karlheinz Schwensen als er selbst, also als großkotziger Kiez-Krimineller. Vielleicht sollte das aber auch ein bisschen lächerlich und somit selbstironisch rüberkommen. Die Ausstattung des Clubs ist schön authentisch und heruntergekommen, bis hin zu den versifften Klos (inklusive kleiner Anspielung auf „Trainspotting“). Für Hamburger sind natürlich ein paar Szenen und Orte mit Wiedererkennungsfaktor ganz nett, wobei man da natürlich noch mehr hätte herausholen können. Aber es sollte wohl kein „Hamburg“-Film wie beispielsweise „Gegengerade“ werden. Für die Musik hat man zahlreiche bekannte Bands und DJs engagiert, deren Clubauftritte zwar kurz, aber recht authentisch wirken. Natürlich darf auch Bela B einen Song zum Besten geben. Auch ein Teil des feiernden Publikums besteht aus echten Clubgängern.

„So Was Von Da“ ist unterhaltsam und fängt die Club-Kultur sicher ganz gut ein, hätte aber viel mehr sein können, wenn nicht alles so oberflächlich bleiben würde. Man stelle sich mal vor, was Regisseur Klaus Lemke aus diesem Stoff gemacht hätte - ein wirklich charmanter Gedanke, der das Ganze vermutlich weniger „brav“ hätte aussehen lassen.

Die deutsche Blu Ray erscheint beim Label DCM. Bild und Ton bewegen sich auf dem zeitgemäßen Niveau einer Produktion dieser Größenordnung. Bild- und Tonverfremdungen sind hier vielfach eingesetzte Stilmittel und deswegen keine negativen Kritikpunkte. Der Ton ist (natürlich) ausschließlich in deutscher Sprache vorhanden, zusätzlich gibt es vorbildlicherweise auch eine Hörfilmfassung für Sehbehinderte und natürlich deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Ärgerlicherweise ist kein Bonusmaterial vorhanden, dabei wäre ein Audiokommentar sicher interessant gewesen, außerdem hätte man vielleicht die kompletten Bandauftritte dazupacken können, die im Film selbst ja nur ausschnittsweise zu sehen sind. Nicht einmal ein Trailer ist vorhanden, was schon sehr dünn ist. (A.P.)




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