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Lindenberg - Mach Dein Ding

(BRD 2020)

Originaltitel: Lindenberg - Mach Dein Ding
Alternativtitel:
Regie:
Hermine Huntgeburth
Darsteller/Sprecher: Jan Bülow, Julia Jentsch, Charly Hübner, Max von der Groeben, Detlev Buck, Ella Rumpf, Martin Brambach, Ruby O. Fee,
Genre:


Anfang der 70er Jahre lässt sich der 25jährige Udo Lindenberg durch das Hamburger Rotlichtviertel um die Reeperbahn treiben, immer von dem Traum beseelt, erfolgreicher Rockmusiker zu werden. Er hält sich mit kleinen Jobs als Unterhaltungs- und Studiomusiker über Wasser und schreibt fast schon manisch Songs. Langsam geht es voran mit der Karriere, doch auf dem Weg zum Durchbruch gibt es noch viele Stolpersteine...

Man muss kein Fan von Udo Lindenberg sein, um anzuerkennen, wie wichtig er für die deutsche Musikgeschichte war und ist. Er galt in den 70ern als einer der ersten Deutsch singenden Rockmusiker mit zahlreichen Hits, spielte tatsächlich in den 80er Jahren eine kleine Rolle in der deutsch-deutschen Teilung, lebte ein Leben ohne Rücksicht auf sich selbst und hat seit den Nuller Jahren ein unfassbares Comeback hingelegt. Dabei hat er immer Haltung gezeigt und sich nie den Mund verbieten lassen. Klar, dass so ein Leben auch für Filmproduzenten ein reizvolles Thema sind und so hat Hermine Huntgeburth eine filmische Biografie vorgelegt, die zwischen Drama und Unterhaltung, Realität und vermutlich fiktiven Momenten wechselt und wahrscheinlich nicht durchweg die echte Geschichte erzählt, aber darum ging es sicher auch gar nicht. Ob Lindenberg wirklich schon als Kind 1959 einen Bezug zu seinem späteren „Sonderzug nach Pankow“ hatte, ist zweifelhaft, aber halt eine hübsche Andeutung.

Der Film konzentriert sich auf die 70er Jahre und lebt vor allem von dem wirklich großartig gecasteten Jan Bülow. Zusammen mit der detailreichen Ausstattung lässt Bülow die Atmosphäre der damaligen Zeit erstehen. Immer wieder gibt es auch Rückblicke in die Kindheit und Jugend, die aber eine Spur zu pathetisch sind. Ansonsten spielen Alkohol, Drogen und Sex eine zentrale Rolle...ob das wirklich damals so im Mittelpunkt stand? Keine Ahnung, aber sicher ist auch, dass Lindenberg vermutlich nichts hat anbrennen lassen, was wohl bis heute Folgen hat.

Darüberhinaus gibt es natürlich die bekannten Eckpunkte...Künstler-WG in Hamburg, Onkel Pö, Schlagzeuger bei der Tatort-Musik, das „Mädchen aus Ost Berlin“, Erfolge, Eierlikör, wohnen im Hotel und und und...den Beginn von 50 Jahren deutscher Rockgeschichte in 134 Minuten erzählt, das hat zwangsläufig eine gewisse Oberflächlichkeit zur Folge. Ab der Mitte des Films kippt die Handlung von der „Loser auf Selbstfindunges-Trip“-Geschichte in eine lockerere Richtung, die hier und da auch das Showbusiness auf die Schippe nimmt. Ab da überwiegt der Unterhaltungsanteil, was dem Film ganz gut tut.

„Lindenberg - Mach Dein Ding“ ist gleichzeitig eine stark komprimierte und ausgeschmückte Erzählung über die frühen Jahre der Karriere von Udo Lindenberg. Für eine vollständige Biografie ist es natürlich viel zu episodenhaft und harte Fans werden sicher einiges zu kritisieren haben. Dafür ist der Film aber auch problemlos für Leute ansehbar, die Lindenberg nur von seinen bekannten Hits oder auch gar nicht kennen. Dazu trägt natürlich auch und vor allem die Musik bei...ein paar der großen Klassiker kommen vor - allerdings erst in der zweiten Hälfte -, teilweise sehr gut interpretiert von Hauptdarsteller Jan Bülow.

Neben Bülow überzeugt auch die namhafte übrige Besetzung. Detlev Buck in einer für ihn typischen Rolle als schmieriger Plattenfirmen-Typ, Charly Hübner, Julia Jentsch und Max von der Groeben...die Namen sind schon beeindruckend. Und auch Lindenberg selbst hat einen Auftritt. Die Inszenierung ist handwerklich einwandfrei, allerdings auch sehr am Massengeschmack ausgerichtet. Große Experimente sollte man nicht erwarten. Der Film ist als Denkmal für den Musiker gedacht und erfüllt das auch ganz gut. Trotz der Selbstzweifel der Figur und einiger nicht so positiver Eigenschaften, ist der Film nicht kritisch und das muss er auch gar nicht sein.

Die Blu Ray Disc von DCM Film liefert eine einwandfreie Bild- und Tonqualität ab, wie man es bei einer aktuellen deutschen Großproduktion erwarten darf. Natürlich nur auf Deutsch, da „Lindenberg“ kaum ein internationales Thema ist. Deutsche Untertitel gibt es, dazu eine Hörfilmfassung für Sehbehinderte.

Im Zentrum des Bonusmaterials steht natürlich der Audiokommentar der Regisseurin und des Produzenten, der recht interessant aber leider oft ein wenig zu sachlich ist. Dazu gibt es eine typische Promo-Featurette, ein Musikvideo, Aufnahmen von der Filmpremiere, Interviews und Trailer/Teaser. Das ist alles sehr normal und promomäßig...bei einem Film über einen eigenwilligen Typen hätte man sich sowohl inhaltlich als auch beim Drumherum etwas mehr Mut gewünscht. Wirklich aufregend wäre sicher ein Audiokommentar von Lindenberg selbst zusammen mit Hauptdarsteller Bülow gewesen...sicher anstrengend aber bestimmt erleuchtend.

Einen kleinen, persönlichen Bezug zu dem Film habe ich auch, denn ich bin eines Abends auf dem Weg zu einem Konzert auf der Großen Freiheit mitten in die Dreharbeiten geraten und habe mir mit dem auf seinen Einsatz wartenden Hauptdarsteller freundlich zugenickt. (A.P.)




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