Ein mysteriöses Virus schlägt sich nicht auf Arme, sondern auf Kontostände ein, es wütet zuerst unter Milliardären, dann Millionären, später unter jedem, der ein bisschen Spareinlage hat. Die Symptome sind merkwürdig: glühend weiße Zähne und plötzlich drängend genug Panik, dass niemand sein Geld haben will, obwohl alle es dringend loswerden müssen. Schafft man es nicht, sein Geld loszuwerden, stirbt man. Laura, eine gut verdienende Managerin, steckt mittendrin...
"RICH FLU" ist kein Virenschocker, sondern ein schneller Gesellschafts-Thriller mit bissiger Satire. Galder Gaztelu-Urrutia, der schon für "THE PLATFORM" verantwortlich war, macht hier dem persönlichen Wohlstand den Garaus. Drehbuch und Regie stammen von Urrutia selbst, gemeinsam mit Pedro Rivero, David Desola und Sam Steiner. Produziert wurde das Ganze multinational unter dem Dach spanisch-kolumbianischer Studios wie Fabula, Nostromo Pictures, Basque Films und Mamma Team. Die Kulisse wechselt zwischen Barcelona, Fuerteventura und Senegal und verbreitet so ein bisschen Urlaubsgefühl. Ich finde die Idee prima, Virus trifft Reichtum, Menschen rennen weg von ihrem Eigentum. Der Ansatz ist klasse: clever, dystopisch, geradezu bankrotterklärend lustig. Der Film hat Witz, Tempo (London, Golfplatz-Helikopter-Kampf, Flüchtlingslager) und bissige Kapitalismuskritik, aber, und das ist sein Knackpunkt, er verliert sich gegen Mitte: Die Satire schmilzt dahin und es wird dann doch ein bisschen zu moralisch. Trotzdem: Ich finde, der Film besitzt Energie, visuelle Ideen, irren Geist, etwa wenn Millionäre auf einem Golfplatz um die letzten Helikopterplätze kämpfen. Das ist satirische Genialität. "EAT THE RICH" in modern. (Haiko Herden)
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