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Die Nackten Vampire

(Frankreich 1969)

Originaltitel: Vampire Nue, La
Alternativtitel: Lustschloss Der Grausamen Frauen, Das / Lustschloss Der Grausamen Vampire, Das
Regie:
Jean Rollin
Darsteller/Sprecher: Olivier Martin, Maurice Lemaitre, Ly Letrong, Christine Francois, Marie-Pierre Castel, Catherine Castel,
Genre: - Horror/Splatter/Mystery


Kritik 1:

Eines Nachts wird der junge Pierre zufällig Zeuge, wie eine junge Frau von Leuten mit bizarren Tiermasken verfolgt und getötet wird. Die Spur führt zu einem Anwesen, das Pierres Vater gehört und er versucht, herauszufinden, was hinter den Mauern geschieht. Dort führt der Vater eine Art Sekte an, die offenbar eine mysteriöse junge Frau verehrt, die durch das Blut von Menschen unsterblich wird. Später auf einem Landsitz außerhalb der Stadt eskaliert die Situation, denn die junge Frau wird offenbar auch noch von einer weiteren Gruppe von seltsamen Leuten gesucht, um sie zu befreien. Pierre muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht…

Nach seinem Spielfilmdebüt „Le Viol De Vampire“, der noch in Schwarz-Weiß entstanden war und eher eine surrealistische Bildcollage war, als ein für das Massenpublikum nachvollziehbarer Film, war es für Regisseur Jean Rollin schwer, Geld für eine weitere Arbeit aufzutreiben. Er beschloss, diesmal in Farbe zu drehen und eine leicht verständliche Geschichte zu erzählen. Die Produzenten wollten zudem, dass Rollin etwas im Stile der damals noch beliebten Hammer-Filme drehen sollte, was diesem aber nicht so richtig behagte. Herausgekommen ist schließlich der zwar etwas zugänglichere „Le Vampire Nue“ (in Deutschland „Die Nackten Vampire“, aber auch „Lustschloss Der Grausamen Frauen“ (!)), der aber alles andere als leichte Kost war und aufgrund des deutschen Titels so manchen Zufallszuschauer nachhaltig verstört haben dürfte. Trotzdem, oder gerade deswegen, kann man „Le Vampire Nue“ als eigentlichen Start für Jean Rollins ganz eigenen Filmstil ansehen, denn hier ist so ziemlich alles enthalten, was er in den folgenden Jahren als typische Merkmale für seine Arbeit entwickeln sollte.

Da wären natürlich zunächst einmal weibliche Vampire – wobei es - SPOILER - eigentlich gar keine Vampire im klassischen Sinne sind. Dann eine merkwürdige, melancholisch-surrealistische Atmosphäre und natürlich viel nackte Haus.

Die ersten zwei Drittel des Films erzählen tatsächlich eine einigermaßen gradlinige, nachvollziehbare Geschichte, obwohl auch hier schon einige ausgesprochen bizarre Szenen vorkommen. Zum Ende hin wird aber die Geschichte praktisch völlig fallengelassen und es geht nur noch darum atmosphärische Bilder aneinanderzureihen. Für Zuschauer, die genau das an Jean Rollins Werken mögen, wird hier eine Menge geboten. Uhren als Symbole, geheimnisvolle Zwillings-Mädchen, der immer wieder als Motiv verwendete Strand an der französischen Ärmelkanal-Küste und merkwürdige Menschen, die scheinbar Bedeutungsschwangeres von sich geben. Das ergibt nicht immer Sinn, erzeugt aber eine gewisse, fremdartige Stimmung, die einen in ihren Bann zieht, wenn man dafür empfänglich ist. Nach Logik sollte man aber nicht fragen.

Alle diese stilistischen Merkmale sollte Jean Rollin mit seinen nächsten Filmen deutlich weiter ausarbeiten und perfektionieren, „Le Vampire Nue“ ist aber der Ausgangspunkt. Viele Einstellungen wirken fast wie Gemälde und ziehen in ihren Bann. Insgesamt eher Mystery als Horror, Poesie, Arthouse und Sex-Trash in einem.

In Deutschland hat Wicked Vision Media „Die Nackten Vampire“ von Donau Film unterlizenziert und das Werk in Kooperation mit NSM Records erstmals in Deutschland auf Blu Ray veröffentlicht. Der Film kommt in zwei schön gestalteten Mediabooks, jeweils mit inhaltlich identischer Blu Ray und DVD und 24seitigem Booklet. Beide Covermotive sind auf jeweils 666 Exemplare limitiert.

Die Bildqualität ist, da es sich um eine extra angefertigte HD-Abstastung handelt, sehr gut (für einen fast 45 Jahre alten Film). Größere Schäden hatte das Ausgangsmaterial nicht und der Bildstand ist ruhig. Zum Glück sind nicht viele Filter verwendet worden, so dass das Filmkorn erhalten blieb. Die Farben und die Schärfe bewegen sich auf sehr gutem Niveau. Besser hat man „Die Nackten Vampire“ bisher sicher noch nicht gesehen. Beim deutschen Ton muss man ein paar Abstriche machen, was aber nicht besonders stört. Referenzton im Stile von aktuellen Hollywood-Blockbustern erwartet hier aber auch niemand. Weiterhin gibt es englische und französische Tonspuren, sowie deutschsprachige und englische Untertitel.

Das Bonusmaterial ist umfangreich. Neben dem informativen Booklet, gibt es ein altes Interview mit dem Regisseur und eine Featurette mit zwei damaligen Darstellern. Verschiedene Trailer, ein alternativer Vorspann, eine Einleitung vom Meister selbst und mehrere Bildergalerien runden die Veröffentlichung ab. Fans von Jean Rollin müssen zuschlagen. Hier hat Wicked Vision Media wieder mal nahezu perfekte Arbeit geleistet. Eigentlich fehlt nur ein Audiokommentar. Aber das wäre Meckern auf hohem Niveau. (A.P.)



Kritik 2:

Im Keller von Georges Radamante geht dieser recht makabren Spielchen nach: Zusammen mit Gleichgesinnten feiert er schwarze Messen, bei denen sich Frauen und Männer umbringen, damit die anderen ihr Blut trinken können. Georges´ Sohn Pierre findet die ganze Geschichte nicht so toll, mischt sich unter die Leute und versucht, einige der hübschen Mädchen aus den Fängen seines Vater zu befreien. Das er dabei natürlich in Schwierigkeiten gerät, dürfte wohl selbstverständlich sein...

Dass hier nach acht Minuten das erste Mal ein Wort gesprochen wird, dürfte wohl bezeichnend für den Film sein. Regisseur Jean Rollin ist eher ein Mann, dem es um die Bilder geht, als um Aussage (was bei dem Medium Film wohl auch legitim sein sollte). Hier schafft er es, interessante Bildmischungen aus Schmuddel und Farben und vielen nackten Frauen zu kreiren, die den Film an sich hochhalten, während alles rundherum doch ein wenig in Langeweile versinkt. Was dem Film nämlich fehlt, sind ein paar Horroreffekte und etwas mehr Spannung, aber, wie schon gesagt, alleine nur der Bilder wegen ist der Streifen sehenswert. (Haiko Herden)



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