England, 1934. Sechs Fremde erhalten eine geheimnisvolle Einladung in eine abgelegene Villa, die sich auf einer kleinen Insel befindet. Der Gastgeber, ein exzentrischer Millionär, bleibt zunächst unsichtbar, was die Gäste nicht gerade entspannter macht. Unter ihnen: eine junge Blumenhändlerin mit einem Faible für Krimis (Mischa Barton), ein paar distinguierte Herren, Damen mit Geheimnissen und Personen, die so wirken, als hätten sie die Einladung lieber ausschlagen sollen. Doch wie es sich für ein klassisches Whodunit gehört, bleibt es nicht beim harmlosen Dinner: bald liegt die erste Leiche da, die Türen sind verschlossen, das Telefon ist tot, und jeder misstraut jedem. Während draußen Sturm aufzieht, wächst drinnen die Paranoia...
Wer bei "EINLADUNG ZUM MORD" sofort an Agatha Christie denkt, liegt völlig richtig. Der Film bedient sich gut gelaunt an allem, was man mit klassischen britischen Krimis verbindet: eine abgelegene Insel, eine große Villa, eine bunte Gruppe Verdächtiger und beim Abendessen immer wieder ein verkrampftes Lachen. Regisseur Stephen Shimek versucht gar nicht erst, daraus ein kunstvolles Arthouse-Experiment zu machen, sondern erzählt eine gradlinige, angenehm altmodische Murder-Mystery. Mischa Barton, die vielen noch aus „O.C. California“ in Erinnerung geblieben ist, verleiht der Blumenhändlerin Miranda Green eine sympathische Mischung aus Bodenständigkeit und scharfem Blick. Der Rest des Ensembles spielt seine Rollen herrlich überspitzt, aber nie so sehr, dass es ins Lächerliche abgleitet. Das Setting ist schön eingefangen: die Villa, die irgendwo zwischen mondän und leicht unheimlich wirkt, und die windige Küste, die dem Ganzen zusätzlich Stimmung gibt. Gedreht wurde der Film allerdings nicht in England, sondern größtenteils in den USA, unterstützt von einer französischen Co-Produktion. Das fällt aber kaum auf, denn Ausstattung und Kostüme vermitteln überzeugend das Flair der 1930er-Jahre. Man merkt deutlich, dass das Team Lust auf ein klassisches Krimirätsel hatte. Nichts wirkt zu modern oder bricht zu sehr aus der Zeit heraus, auch wenn die Inszenierung insgesamt eher schlicht gehalten ist.
Vergleichen lässt sich der Film gut mit Kenneth Branaghs neueren Christie-Verfilmungen wie "TOD AUF DEM NIL". Natürlich hat "EINLADUNG ZUM MORD" nicht deren großes Budget oder Staraufgebot, aber dafür wirkt er leichter und weniger schwerfällig. Diese Leichtigkeit erinnert fast schon ein wenig an Rian Johnsons "KNIVES OUT". Man spürt, dass es hier nicht um ein riesiges Prestigeprojekt ging, sondern um ein unkompliziertes, liebevoll gemachtes Rätselspiel für Fans klassischer Krimis. Am Ende ist "EINLADUNG ZUM MORD" ein traditionelles Whodunit, das man am besten mit einer Tasse Tee, einer warmen Decke und ein paar Butterkeksen genießt. Oder Scones – das passt ebenfalls perfekt. (Haiko Herden)
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