Als der rebellische Graffiti-Künstler Max von der Jugendstrafe verschont wird und stattdessen seinen gemeinnützigen Einsatz im Altersheim angenommen bekommt, glaubt er, dass das besser als Knast sei. Doch das Heim entpuppt sich schnell als Schauplatz merkwürdiger Vorgänge: Türen, die sich nachts öffnen, Bewohner, die plötzlich seltsam lethargisch oder grotesk agieren, und eine streng verbotene vierte Etage, über die niemand sprechen soll. Je länger Max dort verweilt, desto stärker wächst sein Unbehagen, bis er schließlich nicht nur merkt, dass seine eigene Vergangenheit auf unheimliche Weise mit dem Heim verknüpft ist, sondern auch, dass hinter der Fassade des scheinbar wohltätigen Hauses weit dunklere Dinge lauern...
Erstens: Das Konzept ist hörenswert. Ein Altersheim als Ort des Schreckens ist ja schon mal nicht schlecht. Was passiert, wenn die Gesellschaft ihre Älteren nicht nur vergisst, sondern sie systematisch instrumentalisiert? DeMonaco, der ja mit der "PURGE"-Reihe gezeigt hat, dass er Abhandlungen über soziale Zerwürfnisse mag, setzt hier auf sogenannte Generationenkonflikte. Im Kern steckt ein sozialkritischer Ansatz, nämlich ein Hinweis darauf, dass "Betreuung" nicht automatisch Fürsorge heißt. Und gerade in einer Zeit, wo der demographische Wandel, Altersversorgung und Generationengerechtigkeit große Themen sind, da kommt der Film genau recht. Zweitens: Schauspiel & Inszenierung. Pete Davidson ist in seinem Heimatland aus "SATURDAY NIGHT LIVE" bekannt und spielt hier eine ernste Rolle in einem Horrorfilm. Ein bisschen mehr Subtilität hätte nicht geschadet, aber ich nehme ihm ab, dass er zumindest bemüht ist. Der Mittelteil zieht sich allerdings manchmal, die Verdachtsmomente und Andeutungen wirken vertraut, und das große Finale macht dann eher auf blutig und wild als auf intelligent und kritisch. Aber trotzdem, ich fühlte mich gut unterhalten. Wenn man das Ganze als Genre-Horror versteht, nicht als Geheimnisfilm mit philosophischem Anspruch, dann liefert "THE HOME" (so der Originaltitel) schon ab. Ja, ich fand ihn am Ende gut. Nicht so, dass ich ihn für die neue Horror-Meisterleistung halte, aber er macht vieles richtig: Atmosphäre, sozialer Unterton, ungewöhnlicher Hauptdarsteller jenseits der Schleimgrenze. In der heutigen politischen Zeit, in der Altersversorgung, das Verhältnis der Generationen untereinander und die Angst vor Nutzlosigkeit älterer Menschen Themen sind, passt das Werk hier ganz gut rein. (Haiko Herden)
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