Wir könnten genauso gut tot sein(Deutschland, Rumänien 2022)Originaltitel: Wir könnten genauso gut tot sein Alternativtitel: Regie: Natalia Sinelnikova Darsteller/Sprecher: Ioana Iacob, Pola Geiger, Jörg Schüttauf, Siir Eloglu, Susanne Wuest, Knut Berger, Moritz Jahn, Genre: - Drama - Science Fiction/Fantasy
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In diesem Hochhaus leben die Bewohner abgeschottet von der Welt. Neue Bewohner werden auf Herz und Nieren geprüft, bevor sie in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Anna, die jüdische Sicherheitsfrau, ist seit sechs Jahren dafür verantwortlich, dass innerhalb des Hauses und in dem mittels eines Zaunes abgegrenzten Grundstücks alles sicher bleibt. Als sie eines nachts Streife geht, sieht sie durch ein Fenster die Nachbarn beim Sex und bleibt kurz stehen. Leider wird sie von dem Ehepaar bemerkt, aber nicht erkannt, da sie schnell flieht. Dieser kleine Zwischenfall sorgt für ein latentes Unsicherheitsgefühl bei den Bewohnern, das verstärkt wird, als der Hund von Hausmeister Gerti spurlos verschwindet...
Von der Außenwelt abgeschirmte Siedlungen gibt es ja auch im heutigen Leben bereits, Siedlungen, die von wohlhabenden Leuten bewohnt und die von Sicherheitspersonal bewacht werden. Um so etwas handelt es sich auch hier, nur dass die Geschichte in einer nicht weiter erwähnten näheren Zukunft spielt. Wann genau, ist nicht zu erkennen, alles Interieur ist vollkommen zeitlos. Wie genau die Welt außerhalb aussieht, wird nicht weiter erklärt, wichtig ist zu wissen, dass sich die Menschen in diesem Hochhaus zu einer Gemeinschaft zusammengetan haben. Auch wie der Hochhaus-Mikrokosmos genau funktioniert, wird nicht richtig erklärt. Woher kommen die Lebensmittel, Medikamente und andere Dinge, die so eine Gemeinschaft braucht? Das ist hier aber auch nicht wichtig, weil das letztlich unwichtig ist. Erzählt wird die Geschichte, wie eine kleine Sache Misstrauen sät und die Gesellschaft sich daraufhin immer weiter radikalisiert, um sich gegen "das (unbekannte) Fremde" zu wehren. Als "Böse" werden die jüdische Anna, ihre Tochter und außerdem der wohnungslose Künstler, der im Keller haust, ausgemacht und vertrieben. Regisseurin Sinelnikova schafft es, eine fast surreale Atmosphäre zu schaffen, die (deutsches) Spießertum, übertriebenes Sicherheitsdenken und natürlich Doppelmoral zeigt dabei und ausarbeitet, wie schnell man mit dem Finger auf andere zeigt und alle anderen, die nicht angepasst, sind, verteufelt. Eine Art "Autorenkino" vielleicht, wirkend teilweise wie "Das kleine Fernsehspiel", was es früher immer nachts im Fernsehen gab. Ein großartiger Film, muss man sagen. (Haiko Herden)
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