(Monaden Records – 2002 – MC/CD www.monadenrecords.de monaden@gmx.de )
In Hamburg geht ein Serienkiller um, der seinen Opfern die Herzen aus der Brust reißt. Der bisherige leitende Ermittler Stein hat den Fall abgegeben und ist jetzt Dauergast beim Psychiater. Der neue Kommissar Harald Kullik kommt aber auch nicht recht weiter bei den Ermittlungen. Nach einem weiteren Mord besucht er seinen alten Bekannten Castillo Lipardi, einen kleinen Betrüger und Kleinkriminellen. Da Lipardi sich auch als Hellseher betätigt und sich in der Okkult-Szene auskennt, erhofft sich der Kommissar ein paar Tipps und Hinweise, da er in einer Sackgasse steckt. Gemeinsam besuchen sie Eva Vouzinidou, von der sie sich weitere Hinweise erhoffen, doch diese verhält sich erstmal ziemlich abweisend. Sie ist eine Art Medium, die angeblich sogar noch die letzten Gefühle von Toten erspüren kann. Nachdem Lipardi die Frau ein wenig unter Druck gesetzt hat, ist sie schließlich doch bereit, zu helfen.
Gleichzeitig wird der Geschäftsmann Jan Freiland von einem Unbekannten am Flughafen überfallen und umgebracht. Im Krankenhaus sieht Eva Vouzinidou sich die Leiche an und findet durch ein Experiment heraus, dass Freiland wahrscheinlich seinen Mörder kannte.
Während Kullik und Eva zum Friedhof fahren, um das letzte Opfer noch mal von der Hellseherin untersuchen zu lassen (was auf nicht ganz offiziellem Wege geschieht), fährt Lipardi zur Wohnung des ehemaligen Ermittlers Stein, den er beim Verlassen der Praxis seines Psychiaters antrifft und verfolgt. Dabei entdeckt er auch ein heraus geschnittenes Herz Stein hat schlimme Albträume von den Morden, die so real erscheinen, dass er sich kaum noch traut, einzuschlafen. Lipardi verfolgt Stein bis zu einer Brücke, von der sich Stein offenbar hinab stürzen will. Er kann ihn gerade noch festhalten, als Stein eine Pistole zieht und schießt.
!!! SPOILERALARM !!!
Auf dem Friedhof entdecken Kullik und Eva mit dem Totengräber, dass das Grab leer ist, als das Telefon klingelt und Lipardi erzählt, dass Stein seinen Psychiater umgebracht und das Herz raus gerissen hat. Jetzt hat er sich selbst erschossen. Kullik nimmt an, dass auch die Gräber der anderen Opfer leer sind und es dem Mörder gar nicht um die Herzen, sondern um die Leichen an sich geht. Kullik will dem Leichendieb eine Falle stellen, während offiziell Stein als Mörder präsentiert wird. Einige Tage später beobachten Kullik, Lipardi und der Totengräber das frische Grab von Freiland. Wie sich heraus gestellt hat, gab es in Städten in ganz Europa ähnliche Fälle, in denen die ermittelnden Polizisten als Mörder enttarnt wurden oder selbstmordgefährdet in geschlossenen Anstalten sitzen. Als Leichendieb stellt sich ein kleiner Krimineller heraus, der Polizei bekannt ist, aber gar nicht genau weiß, um was es genau geht.
!!! SPOILERENDE !!!
Die Spur führt zum Hamburger Hafen und von dort nach Griechenland...
Eher durch Zufall bin ich durch verschiedene Internet-Links auf dieses Hörspiel gestoßen und hatte es wenige Tage später in meinem Briefkasten. „Monaden“ ist als vierteilige Serie angelegt, die bis Ende 2003 komplett erschienen sein soll. Zurzeit ist leider nur der erste Teil erhältlich, doch der macht schon viel Appetit auf die Fortsetzungen, denn hier handelt es sich um ein wirklich interessantes, privat in die Wege geleitetes Hörspiel, das es jederzeit mit den kommerziellen Werken großer Firmen aufnehmen kann. Wie es scheint, haben sich hier einige Hörspiel-Liebhaber zusammen getan und eine Gruselkrimi-Story produziert, die weit über den Amateur-Status hinausgeht. Das fängt schon mit der Gestaltung an. Die CD kommt in einem wirklich gut aussehenden Digi-Pak mit einem stimmungsvollen Cover, allen notwendigen Angaben und einem 8-seitigen Booklet, das ein wenig die Vorgeschichte erläutert. Eine gelungene Idee übrigens, da eine Vertonung dieses Teils der Geschichte recht aufwendig gewesen wäre. Auch so ist die CD mit einer Laufzeit von gut 60 Minuten nicht gerade kurz geraten. Trotzdem kommt nie Langeweile auf. Da ein Großteil der Handlung sich in einem Zeitfenster von dreieinhalb Stunden abspielt entsteht eine recht dichte Atmosphäre, was der Spannung nur zuträglich ist. Die Geschichte selbst ist erstmal ein etwas bizarrer Kriminalfall, bei dem es aber schon eine Menge Andeutungen gibt, dass es in Zukunft weitaus mysteriöser und okkulter zugehen wird. Hier fühlt man sich noch ein wenig an ein Edgar Wallace-Hörspiel erinnert. Das Buch ist in sich geschlossen und mit guten Dialogen versehen, die nicht unrealistisch wirken. Überhaupt scheinen die Macher viel Wert auf Realismus gelegt zu haben (abgesehen vielleicht von der Behandlung eines Toten mit einer Autobatterie, um seine letzten Gefühle erahnen zu können). Nun ja, das Vorgehen von Kommissar Kullik entspricht sicher nicht immer den polizeilichen Regeln und auch, dass er einen Schulfreund da mit hinein zieht, den er 15 Jahre nicht getroffen hat, und ihn alleine losschickt, um den vorherigen Ermittler zu befragen, ist etwas unwahrscheinlich.
Stilistisch fühle ich mich ein wenig an ein altes Radiohörspiel erinnert, was sehr angenehm ist. Die Geräuschkulisse ist sehr gelungen umgesetzt, die Musik ist immer passend und die Sprecher geben sich wirklich Mühe, auch wenn man schon hin und wieder merkt, dass man es hier nicht mit Profis zu tun hat. Aber zum einen gewöhnt man sich daran sehr schnell und kann sich voll auf die Story konzentrieren und zum anderen bin ich sicher, dass das von Folge zu Folge perfekter wird. Sehr schön finde ich persönlich, dass die Geschichte in meiner Heimatstadt Hamburg spielt. Hierbei hat man auch auf Details wie gelegentlich einen echten Hamburger Slang beim Totengräber oder den Plattdeutsch sprechenden Nachtwächter geachtet. An solchen Dingen sieht man, dass jemand sich bei der Produktion wirklich Gedanken gemacht hat. Auch findet sich hier und da eine Prise Humor wieder, beispielsweise bei einer gelungenen Anspielung auf die John Sinclair-Serie oder eben, wenn Kullik den Platt sprechenden Nachwächter offenbar gar nicht versteht. Die Namensgebung der Charaktere ist auch schlüssig und nicht übertrieben cool. Besonders gefällt mir der Name Eva Vouzinidou. Da sollte es doch mit dem Teufel (sic!) zugehen, wenn das keine Anspielung auf die haitianische/französische Schreibweise „Voudou“ für das bekanntere „Voodoo“ ist. Übrigens spricht Komimissar Kullik, wenn ich mich nicht ganz täusche, mindestens zweimal den Namen VouNIZIdou statt VouZINIdou aus. Ein nicht bemerkter Fehler oder ein kleiner Scherz?
Gibt es auch etwas zu kritisieren? Höchstens Kleinigkeiten.
!!! SPOILERALARM !!!
Mir ist nicht ganz klar geworden, ob Stein alle Morde begangen hat oder nur die, nachdem er sich aus dem Fall zurückgezogen hat. Vielleicht klärt sich das in der Zukunft noch auf.
!!! SPOILERENDE !!!
Nicht ganz so gelungen finde ich den Wechsel von einem übergeordneten Erzähler und mehreren wechselnden Ich-Erzählern. Das ist hier und da doch recht verwirrend, vor allem zum Schluss hin, als die Schauplätze mehrmals in recht kurzer Zeit wechseln. Und was verdammt noch mal bedeutet nun der Name „Monaden“ (oder habe ich da was während des Hörspiels nicht mitbekommen?).
Alles in allem handelt es sich hier jedenfalls um eine wirklich tolle, spannende, atmosphärische Produktion, die sehnsüchtig auf die Fortsetzung warten lässt. Als kleinen Bonus gibt es am Ende noch ein paar Outtakes mit hübschen Versprechern bei den Aufnahmen. Pflicht ist auch ein Besuch auf der sehr informativen und optisch schön gestalteten Website. Dort gibt es (bisher zu Teil 1) ein Tagebuch über die Aufnamen und viele Fotos und Infos zu den Sprechern und natürlich eine Bestellmöglichkeit für die MC oder CD. (A.P.)
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