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The Running Man

(Großbritannien, USA 2025)

Originaltitel: Running Man, The
Alternativtitel:
Regie:
Edgar Wright
Darsteller/Sprecher: Glen Powell, Emilia Jones, Josh Brolin, Katy O´Brian, Lee Pace, Colman Domingo, William H. Macy, Michael Cera, David Zayas, Jayme Lawson,
Genre: - Action/Abenteuer - Science Fiction/Fantasy


In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft lebt Ben Richards mit seiner Frau Sheila und seiner kleinen, schwerkranken Tochter in ziemlich bescheidenen Verhältnissen. Die Gesellschaft ist weitgehend in Arm und Reich zerfallen, große Konzerne kontrollieren nicht nur einen erheblichen Teil des öffentlichen Lebens, sondern auch die Medien, und wer unten angekommen ist, hat wenig Aussicht darauf, jemals wieder nach oben zu kommen. Ben hat zudem seinen Job verloren und benötigt dringend Geld für die Behandlung seiner Tochter. Der mächtige Fernsehsender Network produziert eine ganze Reihe brutaler Spielshows, bei denen Menschen ihre Gesundheit und teilweise ihr Leben für Geld riskieren. Ben bewirbt sich zunächst lediglich als Kandidat und wird aufgrund seiner körperlichen Fähigkeiten und vor allem seiner ziemlich ausgeprägten Wut auf das bestehende System ausgerechnet für die erfolgreichste Show ausgewählt: "The Running Man". Produzent Dan Killian erklärt ihm die Regeln: Ben muss dreißig Tage lang überleben, während professionelle Killer, die sogenannten Hunters, nach ihm suchen. Gleichzeitig wird sein Aufenthaltsort durch die Bevölkerung gemeldet, denn auch die Zuschauer können Geld verdienen, wenn ihre Hinweise zu seiner Ergreifung führen. Mit jedem überlebten Tag wächst Bens Gewinnsumme, und sollte er tatsächlich einen ganzen Monat durchhalten, wartet eine Milliarde New Dollars auf ihn.Ben nimmt teil und wird damit innerhalb kürzester Zeit zu einem der bekanntesten Menschen des Landes. Allerdings stellt er schnell fest, dass das Network nicht nur seine Jagd organisiert, sondern gleichzeitig kontrolliert, wie die Öffentlichkeit ihn wahrnimmt. Aus dem arbeitslosen Familienvater wird durch manipulierte Nachrichten und gezielte Propaganda ein gefährlicher Staatsfeind, während seine Flucht durch verschiedene Städte zu einem gigantischen Unterhaltungsspektakel wird. Je länger Ben überlebt, desto größer wird allerdings auch sein Einfluss auf jene Menschen, die ohnehin längst nicht mehr besonders glücklich mit dem System sind...

Man muss zunächst vielleicht klarstellen, dass Edgar Wrights "THE RUNNING MAN" kein Remake von "RUNNING MAN" mit Arnold Schwarzenegger ist. Beide Filme basieren auf Stephen Kings Roman "MENSCHENJAGD", den King unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte. Die neue Version geht allerdings erheblich näher an das Buch heran als die Verfilmung von 1987. Edgar Wright, bekannt vor allem durch "SHAUN OF THE DEAD", hatte bereits Jahre vor dem Dreh erklärt, dass ihn gerade dieser Punkt an dem Projekt reizte. Er mochte den alten Film, fand aber bereits damals, dass dieser mit dem Roman eigentlich nur noch relativ wenig zu tun hatte. Das kann man kaum bestreiten. Stephen Kings Roman erschien 1982, spielt ausgerechnet im Jahr 2025 und beschreibt eine Gesellschaft, in der ein verzweifelter Ben Richards an einer landesweiten Menschenjagd teilnimmt, um Geld für seine kranke Tochter zu bekommen. Wrights Film kam dann tatsächlich 2025 ins Kino.

Der Schwarzenegger-Film von 1987 hatte aus dieser Geschichte im Grunde einen vollkommen anderen Film gemacht. Dort ist Ben Richards kein verarmter Familienvater, sondern ein muskulöser ehemaliger Polizeipilot, der sich weigert, auf unschuldige Menschen zu schießen, anschließend zum Staatsfeind erklärt und schließlich in eine Fernsehshow gesteckt wird. Vor allem aber findet die Menschenjagd dort in einer kontrollierten Spielarena statt. Von King ist da nicht viel übrig geblieben. Er selbst beschrieb seinen Ben Richards als schmächtig und gesundheitlich angeschlagen, also ungefähr als das Gegenteil von Arnold Schwarzenegger. Glen Powell, unser heutiger Hauptdarsteller, ist natürlich ebenfalls kein ausgemergelter Hungerleider, aber zumindest vermittelt er wesentlich besser den Eindruck eines normalen Mannes. Vor allem übernimmt Wright endlich das zentrale Prinzip des Romans: Ben wird nicht durch eine Arena gejagt, sondern durch die reale Welt. Genau das macht die Geschichte deutlich interessanter. Ben kann theoretisch überall hin, aber gleichzeitig kann auch überall jemand sein, der ihn erkennt. Der gesamte Staat verwandelt sich dadurch in die Arena, Ben ist ständig unterwegs, wechselt Orte und Identitäten, bekommt Hilfe, wird verraten und muss immer wieder verschwinden. Das funktioniert ganz gut. Mit 133 Minuten ist "THE RUNNING MAN" nicht gerade kurz, aber immerhin spielt das Ganze auch über den Zeitraum eines Monats und es passiert ja auch ziemlich viel gezwungenermaßen.

Powells Ben Richards besitzt genügend Wut, ohne permanent aggressiv herumzubrüllen, und vor allem funktioniert die Motivation über seine Familie. Der Mann will zunächst keine Revolution starten und auch nicht zum Volkshelden werden. Er braucht schlicht Geld. Dass er später zunehmend zum politischen Symbol wird, passiert eher gegen seinen Willen. Das entspricht auch dem Grundgedanken des Romans, in dem Ben Richards aus wirtschaftlicher Verzweiflung handelt und erst durch die Jagd immer stärker erkennt, wie umfassend das gesamte System gegen Menschen seiner gesellschaftlichen Schicht arbeitet.

Stephen Kings Roman war Anfang der Achtziger eine Dystopie über soziale Ungleichheit, Umweltzerstörung, Medienmanipulation und eine Bevölkerung, die mit brutaler Unterhaltung ruhiggestellt wird. Vieles davon ist inzwischen endgültig in unserer Realität angekommen. Wrights Film aktualisiert diese Medienkritik, was für das heutige Publikum natürlich nötig ist. Das Network kontrolliert nicht nur die Nachrichten, sondern kann Bilder manipulieren, Aussagen verändern und praktisch in Echtzeit eine neue Realität erzeugen. Besonders die Verwendung von Deepfakes ist mehr als aktuell, und obwohl allen klar ist, dass es Deepfakes gibt, glauben viele ihnen trotzdem, eben weil es in ihr Weltbild passt. Dass es Social Media gibt, Smartphones, Influencer, manipulierte Videos und jede Menge Videos aus der Bevölkerung sowie Drohnen, diese Aktualisierung war (vielleicht leider) absolut nötig. Das mag man als Roman-Purist bemängeln, würde ohne diese Sachen aber einfach nur noch Retro wirken. Besonders im letzten Teil werden einige Dinge jedoch deutlich verändert, und vor allem das Ende unterscheidet sich. Ohne hier die finale Auflösung des Films zu verraten, lässt sich sagen, dass Kings Roman erheblich finsterer und kompromissloser endet. Immerhin hat Stephen King selbst sein Einverständnis für dieses neue Ende gegeben. Das macht den Film eher hoffnungsvoll, wobei mir persönlich ja eher die hässlichen, düsteren, pessimistischen Enden gefallen. (Haiko Herden)



Alles von Edgar Wright in dieser Datenbank:

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- Shaun Of The Dead (England 2004)

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