In einer postapokalyptischen Fantasywelt wird die gefürchtete Hexe Gray Alys von Königin Melange beauftragt, in die sogenannten Lost Lands zu reisen. Dort soll sie eine magische Gabe finden, genauer gesagt die Macht, sich in einen Werwolf verwandeln zu können. Begleitet wird Gray Alys von Boyce, einem wortkargen Jäger und Wanderer, der sich in dieser kaputten Welt auskennt. Gemeinsam ziehen die beiden durch Ödland, Ruinen und allerlei digitale Fantasy-Tristesse.
Paul W. S. Anderson inszeniert hier keine feinsinnige Fantasy-Story, sondern eine ziemlich künstliche Mischung aus Postapokalypse, dunkler Märchenwelt, Action und Computerkulisse. Sehr viel Computerkulisse. Anderson war ja ein ganz ordentlicher Regisseur. "EVENT HORIZON" hatte noch diesen schönen, dreckigen Weltraumhorror. Danach kamen unter anderem "RESIDENT EVIL", "ALIEN VS. PREDATOR", "DEATH RACE", "DIE DREI MUSKETIERE" und "MONSTER HUNTER". Man bemerkt gerade bei seinen neueren Filmen, dass sie eher wie Computerspiele aussehen. Das ist nicht automatisch schlecht. Manchmal ist genau das eben sein Charme. Nur bei "IN THE LOST LANDS", wie auch schon bei "MONSTER HUNTER", merkt man leider auch die Kehrseite: Die Welt sieht dauernd wichtig aus, fühlt sich aber selten wirklich lebendig an. Und auch die Geschichte selbst. Vieles wirkt eher behauptet als erlebt. Man sieht Ruinen, Staub, Monster, Waffen, Kostüme und große Worte, aber emotional bleibt das alles durchgehend dünn.
Milla Jovovich ist für mich klar der beste Grund, den Film zu schauen. Sie kann diese Art Figur einfach: geheimnisvoll, etwas entrückt, kampferprobt, nicht zu sehr um normale menschliche Kommunikation bemüht. Bei Dave Bautista bin ich persönlich deutlich weniger begeistert. Er hat natürlich physische Präsenz, keine Frage, er ist halt groß und bullig und... Ja. Er ist halt groß und bullig.
Visuell hat "IN THE LOST LANDS" durchaus ein bisschen was zu bieten. Einige Bilder sehen aus wie Fantasy-Cover aus den 80ern, nur durch moderne Effektsoftware gejagt und mit diesem typischen KI-Glanz versehen. Gleichzeitig wirkt der Film natürlich oft zu digital, zu glatt, zu wenig körperlich. Das Ganze basiert übrigens auf einer Kurzgeschichte von George R. R. Martin, den man natürlich als Schöpfer von "THE GAME OF THRONES" kennt. Das aber nur als Info, die Martin´sche Geschichte habe ich nicht gelesen.
Letztlich ist "IN THE LOST LANDS" für mich ein Film im Bereich "na ja bis mittel". Nicht langweilig genug, um ihn abzuschreiben, aber auch nicht gut genug, um ihn groß zu verteidigen. Er hat hübsche Einzelmomente, eine sehr passende Milla Jovovich, aber auch zu wenig echtes Gewicht, zu viel digitale Sterilität. (Haiko Herden)
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