Eine junge Krankenpflegeschülerin reist aufs Land, um ihre Großeltern zu besuchen. Zunächst wirkt das Wiedersehen freundlich, vielleicht etwas altmodisch, aber bald merkt sie, dass in diesem Haus und in der Umgebung etwas nicht stimmt. Die Großeltern verhalten sich seltsam, auch die Nachbarn. Und irgendwann merkt sie, dass da noch jemand im Haus "wohnt"...
"HAPPINESS TO ALL" wurde von Yûta Shimotsu inszeniert, basiert auf seinem gleichnamigen Kurzfilm und wurde von der Produktionsfirma Kadokawa mitproduziert, die ich bisher nur aus dem Anime-Bereich kannte. Der Film lief international auch unter "BEST WISHES TO ALL" und "BEST REGARDS TO ALL". In Deutschland ist er unter dem Titel "HAPPINESS TO ALL" rausgekommen. Es ist ein sehr feiner, ziemlich fieser japanischer Horrorfilm, der nicht mit der Tür ins Haus fällt, sondern erst einmal höflich die Schuhe auszieht, Tee anbietet und dann eine sehr seltsame Sache präsentiert, die einen erst vollkommen ratlos hinterlässt. Die Bedrohung kommt nicht aus einem Monsterdesign-Katalog, sondern den kleinen Dingen, die ständig und immer mehr verunsichern. Die Welt sieht noch aus wie Welt, aber irgendwie ist sie anders.
Kotone Furukawa spielt keine Heldin, die sofort alles versteht und entschlossen gegen das Böse kämpft, sie wirkt eher wie jemand, der langsam begreift, dass nicht nur ihre Familie komisch ist, sondern... sagen wir lieber nicht zu viel. Denn das hier ist kein klassischer Geisterfilm. Es gibt keine simple "Mädchen mit langen, schwarzen Haaren im Flur“-Story. Die Angst entsteht stärker aus einem sozialen und moralischen System. Das Dorf, die Familie, die Alten, die Jungen, das Glück der einen, das Leid der anderen: Alles hängt zusammen.
Natürlich ist "HAPPINESS TO ALL" kein Film für alle. Wer auf Schocks aus ist, könnte zwischendurch ungeduldig werden. Der Film arbeitet eher mit Atmosphäre, einer bösen Idee und eben der schleichenden Erkenntnis. Die Geschichte ist simpel, aber trotzdem gut und ansprechend originell. Dass der Film aus einem ausgezeichneten Kurzfilm hervorgegangen ist, merkt man seiner Grundidee an: Sie ist klar, hart und sofort verständlich. Der gleichnamige Kurzfilm gewann den Hauptpreis beim ersten Japan Horror Film Competition, danach wurde daraus die Langfassung. Letztlich ist „HAPPINESS TO ALL“ ein sehr guter moderner J-Horrorfilm, unbehaglich und sogar ziemlich sozialkritisch. (Haiko Herden)
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