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Blut An Den Lippen

(BRD, Frankreich, Belgien 1971)

Originaltitel: Lèvres rouges, Les
Alternativtitel:
Regie:
Harry Kümel
Darsteller/Sprecher: Delphine Seyrig, Danielle Ouimet, John Karlen, Andrea Rau, Paul Esser, Georges Jamin, Joris Collet, Fons Rademakers,
Genre: - Drama - Horror/Splatter/Mystery


Das junge Paar Stephan und Valerie strandet auf seiner Reise nach England in einem Hotel in Ostende. Dort treffen sie auf die mysteriöse Baronin Elisabeth Bathory und ihre Begleiterin Ilona. Zwischen den Vieren entwickelt sich ein gefährliches Spiel, in dem es um Sex, Macht und Leidenschaft geht…

Anfang der 70er Jahre wurde der klassische Gothic-Horror, der immer in vergangenen Jahrhunderten spielte, in die Gegenwart verpflanzt. Man versuchte, die klassischen Horror-Themen und –Figuren zu modernisieren, was mal mehr, mal weniger gut funktionierte. Ein klassisches Beispiel ist der Hammer Films-Versuch „Dracula jagt Mini-Mädchen“, der als zwar unterhaltsam aber künstlerisch misslungen gelten darf.

Auch der belgische Regisseur Harry Kümel (bekannt vor allem durch „Malpertuis“) geht mit „Blut An Den Lippen“ diesen Weg. Nun sind Genrefilme, namentlich Horror, aus Belgien eher eine Ausnahme und so darf dieser Film als interessantes Experiment angesehen werden. Ein auf der künstlerischen Seite durchaus gelungenes Experiment allerdings. Kümel wird dabei überhaupt nicht durch Hollywood beeinflusst und auch der englische Horrorfilm dient ihm kaum als Vorbild. Stattdessen liefert er eine vollkommen europäische Arbeit ab (Co-Produktion von fünf Firmen), die sehr deutlich vom französischen Filmschaffen beeinflusst ist. Kümel hat seine Genre-Kollegen wie Jean Rollin, Dario Argento, Mario Bava, Paul Morrissey und viele andere genau studiert und daraus seinen eigenen Stil entwickelt. Und hätte Jess Franco ein bisschen mehr Talent und die finanziellen Mittel gehabt, hätte er in den 70er Jahren vielleicht auch derartige Perlen schaffen können, sein Thema wäre dies jedenfalls gewesen.

Aufgrund der vielen Geldgeber, die bei der Produktion hineinredeten, existieren verschiedene Schnittfassungen von „Blut And Den Lippen“. Welches nun wirklich die von Kümel favorisierte ist, wird sich kaum noch klären lassen.

Die 70er Jahre boten die Möglichkeit, Filme freizügiger und gewaltvoller zu gestalten als noch einige Jahre zuvor. Auch Themen wie Homosexualität und allgemein Andersartigkeit wurden vermehrt aufgegriffen. Kümel nutzte diese neuen Möglichkeiten und so steht weniger der Vampirismus an sich als die Frage nach sexueller Macht im Vordergrund, sowohl zwischen Mann und Frau als auch unter Frauen alleine. Dass dabei einige explizite Szenen, aber nie pornographische, entstanden sind, dürfte klar sein, zumal ja die Themen Vampirismus und Sex ursächlich miteinander verbunden sind. Etwas Gewalt und Blut kommt auch vor, erscheint aber nicht selbstzweckhaft. Letztlich ist „Blut An Den Lippen“ eher Drama als Horror , verbunden mit einer gewissen Poesie.

Was dem Film aber die eigentliche Stärke verlieh und ihn zu einem kleinen Kultfilm machte, ist die Optik. Kümel hat hier einen wunderbaren Bilderreigen geschaffen, der vor allem mit Farben spielt und rundweg gute Kameraeinstellungen abliefert. Das und das meist übertrieben künstliche Spiel der wenigen Darsteller sorgt dafür, dass man „Blut An Den Lippen“ ein wenig in die Kunstfilm-Ecke stecken kann. Auch, wenn viele Elemente daran erinnern, kann man den Film dennoch nicht als Exploitation-Film bezeichnen. Sicher ist „Blut An Den Lippen“ eher Zeugnis seiner Entstehungszeit und wohl keiner der ganz großen Einträge in die Reihe der Klassiker des europäischen Films, aber Filmliebhaber sollten unbedingt mal einen Blick riskieren. Auch wegen der wundervollen Delphine Seyrig als Baronin Bathory, die man vor allem aus „Letztes Jahr In Marienbad“ kennt. Für Fans des deutschen Films ist die Mitwirkung von Andrea Rau als Ilona erwähnenswert, die hier wie meistens vor allem auch ihre körperlichen Vorzüge zur Schau stellen darf.

Eyecatcher Movies hat den Film in drei verschiedenen Covermotiven herausgebracht, darunter in einer auf 500 Exemplare limitierten großen Buchbox. Die DVD enthält sowohl die deutsche Kinofassung als auch eine 10 Minuten längere „ungeschnittene“ Fassung. Ob es sich dabei um eine Art „Director´s Cut“ handelt darf bezweifelt werden, da wahrscheinlich in jedem Land leicht unterschiedliche Fassungen existieren dürfen, je nachdem, was die jeweiligen Produzenten wollten. Das Bildformat unterscheidet sich bei beiden Fassungen leicht, die Bildqualität ist jedoch für einen inzwischen rund 40 Jahre alten Film recht überzeugend. Der deutsche und englische Stereoton geht in Ordnung. Szenen, die in der deutschen Fassung nicht enthalten waren, sind in englischer Sprache belassen worden. Untertitel gibt es in deutscher Sprache. Das Bonusmaterial beschränkt sich auf einen Trailer und eine Bildergalerie, wobei sich letztere auch am PC ausdrucken lässt, wenn man das wünscht.

Nachtrag: Gerüchteweise handelt es sich bei der Eyecatcher-Veröffentlichung um ein Bootleg, was hier aber weder bestätigt, noch widerlegt werden kann. Das Label Bildstörung bringt im Jahr 2013 eine regulär lizenzierte Fassung auf den Markt. (A.P.)



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