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Augen ohne Gesicht

(Frankreich 1959)

Originaltitel: Les Yeux sans visage
Alternativtitel: Schreckenshaus Des Dr. Génessier, Das
Regie:
Georges Franju
Darsteller/Sprecher: Alida Valli, Pierre Brasseur, Edith Scob, Juliette Mayniel,
Genre: - Thriller - Horror/Splatter/Mystery




Als eine im Gesicht schrecklich entstellte Frauenleiche in einem Fluss gefunden wird, identifiziert der Arzt und Forscher Dr. Génessier sie als seine Tochter. Doch tatsächlich lebt diese nach einem Unfall noch, ist aber kaum noch zu erkennen, da sie schwerste Gesichtsverletzungen erlitten hat. Génessier entführt und ermordet junge Frauen, um seiner Tochter ein neues Gesicht zu geben. Dies scheint nach einigen Fehlversuchen schließlich zu gelingen, doch die Folgen sind schrecklich und inzwischen ist auch die Polizei dem Arzt auf der Spur…

Frankreich ist nicht gerade als Heimatland des Genres Horrorfilm bekannt, grundsätzlich aber schon als Nation mit einer großartigen Filmindustrie. Wenn dann eben doch einmal Horrorfilme produziert werden, kommt oftmals etwas ganz Besonderes heraus. „Augen Ohne Gesicht“ darf zweifellos zu den Klassikern des Genres gezählt werden, hat der Film doch sicher so einige spätere Filmemacher nachhaltig beeinflusst. Stilistisch ist das Werk deutlich von der Mitte/Ende der 50er Jahre aufgekommenen neuen französischen Filmschule, der Nouvelle Vague, beeinflusst. In herrlichen schwarz-weißen Bildern wird eine erschreckende, aber ebenso tragische Geschichte erzählt, die in sehr klaren Bildern humorfrei rübergebracht wird. Dialoge werden teilweise spärlich eingesetzt, die Story erzählt sich selbst durch die Bilder. Trotz der Wahl, den Film in Schwarz-Weiß zu drehen, eine sicher bewusste künstlerische Entscheidung wie bei „Psycho“ und teilweise auch bei „Night Of The Living Dead“, ist der Einfluss des deutschen expressionistischen Films der 20er Jahre nicht so groß, wie beispielsweise beim amerikanischen Film Noir, obwohl Schatten und scharfe Kontraste natürlich trotzdem eine gewisse Rolle spielen. Ganz sicher wurden die Macher von „Augen Ohne Gesicht“ stark von Altmeister Alfred Hitchcock beeinflusst, wobei es sogar ausgesprochen reizvoll gewesen wäre, zu sehen, was dieser aus dem Stoff in einer eigenen Verfilmung gemacht hätte. Der Film selbst dürfte auf Regisseure wie Mario Bava und somit das gesamte spätere Giallo-Genre einen gewissen Einfluss gehabt haben. Und wer weiß, vielleicht wurde sogar die Maske von Michael Myers in „Halloween“ hiervon inspiriert.

Inhaltlich bekommt der Zuschauer eine Mischung aus Horror und Drama geboten, wobei es keinerlei übernatürliche Aspekte gibt, wohl aber Zitate aus „Frankenstein“ und die archetypischen „Mad Scientist“-Motive. Die ausdruckslose Maske der Hauptdarstellerin weist zudem auf einige existenzialistische Tendenzen hin.

Durch das etwas künstliche Spiel aller Darsteller entsteht eine sehr kühle und fast schon depressive Atmosphäre, was aber gerade die Besonderheit des Films ausmacht. Dabei bleiben Szenen unvergesslich wie die, in der Christiane in ein weißes Nachtgewand gehüllt und mit weißer Maske bedeckt durch das nächtliche Treppenhaus wie ein Geist zu schweben scheint. Das ist dann eine Modernisierung und gleichzeitig Verbeugung vor dem klassischen Gothic-Horror. Dazu kommen ein paar recht blutige Operationsszenen und ein von Hunden zerfleischtes Gesicht (Symbolik pur: der Vater erleidet genau das Schicksal, vor dem er seine Tochter retten wollte), die für die damalige Zeit sicher ziemlich schockierend waren.

Es ist vielleicht übertrieben, diesen Film als Meisterwerk zu bezeichnen, ein Klassiker und einflussreiches Horror-Drama, das man als Liebhaber des Genres kennen sollte, ist er aber allemal. Dabei hat er aber auch alle positiven Eigenschaften, die man am französischen Film so mag.

Nach diversen TV-Austrahlungen in den letzten Jahrzehnten ist „Augen Ohne Gesicht“ inzwischen auch mehrfach auf DVD erschienen. Eyecatcher Movies hat eine schöne Veröffentlichung (allerdings wohl ohne die notwendigen Rechte daran zu haben) in großer Buchbox unter dem Titel „Das Schreckenshaus Des Dr. Génessier“ herausgebracht, die auf 500 Exemplare limitiert ist. Bei der Bildqualität hat man für einen inzwischen rund 50 Jahre alten Film eine Menge rausgeholt, so dass es wirklich Spaß macht, den Film anzusehen. Das auf den Cover angegebene Bildformat von 1:1,78 stimmt nicht ganz, es nähert sich eher 1:1,66 an. Als Sprachen gibt es die deutsche (TV-) Synchronisation, sowie eine englische Synchro und den französischen Originalton. Außerdem sind deutsche Untertitel zuschaltbar. Meines Wissens ist diese Fassung ungeschnitten. Das Bonusmaterial ist mit Trailern und einer Bildergalerie mager, aber allzu viel, was direkt mit dem Film zu tun hat, dürfte es wohl nicht mehr geben. In einem PC-Part liegt das Bildmaterial auch in ausdruckbarer Qualität vor. Da hier aber nur der Film an sich zählt, sollte man sich die Veröffentlichung auf jeden Fall zulegen, denn sie gehört in jede ernstzunehmende Horrorfilm-Sammlung. Als legale Veröffentlichung kann man gegebenenfalls auf die DVD von Concorde zurückgreifen, die den Film mit der alten deutschen Kinosynchronisation liefert. (A.P.)

Die Bäume am Rand einer Landstrasse ziehen am Blick des Betrachters vorüber. Maurice Jarres Musik setzt ein, eine seltsame Mischung aus Zirkusklängen, Cabaret und Spieluhren. Sie verkündet trotz ihrer pitoresken Leichtigkeit etwas Unheilvolles. Das kontrastreiche Schwarzweiß der Bilder schneidet einem dabei direkt ins Auge. Der Umgang mit Licht und Schatten erinnert ein wenig an die expressionistischen Stummfilme der Zwanziger Jahre. Alles erscheint wie in einem Traum und dennoch ist Franjus Film geprägt von einem klaren Realismus. Nachdem die Schrift des Vorspanns abgelaufen ist, schwenkt die Kamera auf das Gesicht von Alida Valli, die hinter dem Lenkrad ihres Wagens sitzt und auf ihrem Rücksitz den Leichnam eines jungen Mädchens verstaut hat.

Es ist der Beginn eines der düstersten, aber auch poetischesten Horrorfilme die das Genre im Laufe der Jahre gesehen hat. Franju erzählt uns die Geschichte einer jungen Frau, die bei einem Autounfall ihr Gesicht verloren hat. Ihr Vater, ein berühmter Arzt, versucht mit Hilfe seiner Assistentin unschuldige Mädchen in sein Haus zu locken, um ihnen die Schönheit zu stehlen und sie auf die Wunden der Tochter zu übertragen. Edith Scob spielt die entstellte Tochter mit den absolut traurigsten und sehnsüchtigsten Augen die ich je gesehen habe. Fast den gesamten Film über sind sie das Einzige, was hinter der weißen Totenmaske die ihre Brandwunden versteckt, zu sehen ist. Wie ein sanfter Todesengel gleitet sie durch die Gänge und Räume des Hauses, unenntrinnbar mit ihrem Schicksal verbunden. Manchmal liegt sie auch nur schluchzend am Boden und spricht mit flüsternder Stimme, wie sehr die Spiegelung ihres Gesichtes in den Fenstergläsern und der Schneide des Messers sie ängstigt. Noch weitaus mehr jedoch erschreckt sie die weiße Maske, die sie gezwungen ist zu tragen, um der Konfrontation mit ihrem Spiegelbild zu entgehen. Sie ist eine Gefangene in diesem Haus; ihre Sehnsucht nach dem Tod und die Errinnerung an eine verlorene Liebe scheinen die letzten Dinge zu sein, die sie vorantreiben.

Georges Franjus Filme handeln von der Unmöglichkeit in dieser Welt zu existieren, wenn man sich abseits der vorgeschriebenen Normen bewegt. Seine Werke tragen ein ganzes Tränenmeer in sich, ohne das die Figuren zu solch einer Reaktion noch fähig wären. Christine erträgt das teuflische Spiel des Vaters nur um sich das kleine bißchen Hoffnung auf ein wenig Glück zu erhalten. Der hingegen handelt nur aus der bedingungslosen Liebe zu seiner Tochter. Die Kälte in seinen Augen sind nur Zeichen einer verwundeten Seele. Mit "Le sang de betes" (1949, "Das Blut der Tiere"), einer Dokumentation über die Schlachthäuser von Paris, ist Franju zu einem Liebling der französischen Avantgarde der Fünfziger Jahre geworden. Die hier dargestellte Verbindung eines krassen, bestialischen Realismus mit einer traumhaften, surrealistischen Atmosphäre ist typisch für den Stil dieses Regisseurs. Auch "Les Yeux sans visage" lebt von diesen Gegensätzen. Ein tiefempfundener Aufruf nach Menschlichkeit durchdringt Franjus dunkles Poem. Ob es nun die Augen sind, die uns durch die Maske hindurch anschauen, oder die Schreie der bandagierten Mädchen, die ihrer Haut beraubt wurden.

Die großartige Alida Valli, die in dem Film Noir Klassiker "Der dritte Mann"(1949) ihren Durchbruch schaffte und später für Regisseure wie Hitchcock, Argento und Visconti arbeitete, ist ein weiterer Glücksgriff für Franjus Werk. Gekleidet in einen eleganten schwarzen Lackmantel, und mit einem schmerzerfüllten Lächeln auf ihren Lippen, bringt sie den Tod. Das Mitleid und die Zärtlichkeit im Umgang mit ihren Opfern sind nicht nur Fassade, sondern Zeichen ihrer Hilflosigkeit und der Unabänderlichkeit der Umstände, die sie haben zur Mörderin werden lassen.

Obwohl "Les Yeux sans visage" mit seinen für die Entstehungszeit sehr detailierten Greuelszenen zu einer neuen Welle von harten Horrorfilmen gehörte, handelt es sich doch dabei um einen der gefühlvollsten und sensibelsten Streifen die je auf Zelluoid gebannt worden sind. (Andreas Scholz)




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