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Wer

(USA 2014)

Originaltitel: Wer
Alternativtitel:
Regie:
William Brent Bell
Darsteller/Sprecher: A.J. Cook, Brian Scott O´Connor, Sebastian Roché,
Genre: - Horror/Splatter/Mystery


In Frankreich wird eine amerikanische Touristenfamilie in einem Wald angegriffen und grausam zugerichtet. Vater und kleiner Sohn sterben, die Mutter überlebt schwer verletzt. Zunächst nimmt man an, dass ein wildes Tier die Familie so schrecklich zugerichtet hat, dann wird aber der grobschlächtige, hünenhafte Talan Gwynek festgenommen, der ein wenig geistig zurückgeblieben erscheint und ungewöhnlich stark behaart ist. Die junge Anwältin Kate Moore übernimmt mit ihrem Team die Verteidigung des schweigenden Mannes und gewinnt bald sein Vertrauen. Sie ist überzeugt, dass er unter einer seltenen Krankheit leidet und für den Mord dadurch nicht in Frage kommt. Um das zu beweisen werden an Talan medizinische Tests vorgenommen, bei denen die Situation eskaliert…

Neben Vampiren, Zombies und Mumien sind Werwölfe einer der Archetypen in der langen Geschichte des Horrorfilms. Auch, wenn es keine literarische Vorlage gibt, sondern das halb-menschliche, halb-tierische Wesen wohl überwiegend aus Volksmythen stammt, wurden im Laufe der Zeit zahlreiche Filme gedreht, von denen einige echte Klassiker sind („The Wolf Man“, „Das Tier“, „Der Fluch von Siniestro“, „American Werewolf“…) und andere zumindest im Trashbereich Kultstatus genießen (die Filme mit Paul Naschy). Seit den 80er Jahren tauchte die Figur aber nur noch selten in sehenswerten Filmen auf („Ginger Snaps“ 1-3, „Wolf“ und einige wenige andere). Nun wird mit „Wer“ wieder einmal versucht, einen größeren Film zu platzieren, der immerhin probiert, ein paar neue Wege zu gehen, denn – man muss es so klar sagen – die storytechnischen Variationen bei zurückliegenden Werwolf -Filmen waren ähnlich wie bei Mumien-Filmen sehr übersichtlich.

„Wer“ beginnt mit dem Tod der amerikanischen Familie und man ist als Zuschauer innerhalb weniger Minuten voll in der Story drin. Dabei ist die erste Hälfte des Films wie ein typisches Justiz-Drama inszeniert, in dem die Anwältin für die Unschuld ihres Mandanten kämpft. Danach wird der Film bis zum fast schon übertrieben trashigen Finale zum eher gängigen Werwolf-Film und stellt die Jagd auf das Monster in den Mittelpunkt.

Wie es gerade modern ist, wird „Wer“ in Form eines „Found Footage“-Films auf die Zuschauer losgelassen. Leider ist das hier weder besonders sinnvoll, noch glaubwürdig und konsequent umgesetzt worden. Der Zusammenschnitt aus „Nachrichtensendungen“ ist am Anfang noch gut gelungen, weil man dadurch sehr schnell in die Geschichte hinein kommt. Das wird in der Folge aber zu oft wiederholt und ausgewalzt, so dass es zu nerven und zu langweilen beginnt. Dazu gibt es immer wieder Szenen, die von fest installierten Kameras gefilmt werden, im Verhörraum, im Labor etcetera. Bis hierhin also alles wie üblich. Den größten Teil des Films machen aber Szenen aus, die ganz normal von einem Kameramann gefilmt wurden, der nicht Teil der Handlung ist. Nur weil die Handkamera viel wackelt heißt das noch nicht, dass der Zuschauer das für „Found Footage“ hält. Hier hätte man einfach ganz klassisch arbeiten sollen. Durch die wackelige Handkamera kommt oft ein gewisses TV-Film-Gefühl auf.

Wenn man sich aber mit dieser „halben Sache“ arrangiert hat, kann man einen vor allem in der zweiten Hälfte spannenden und actionreichen Horrorfilm genießen, der einige kleine Nebenhandlungen etabliert, die zunächst wirklich nebensächlich erscheinen, zum Ende hin aber doch Sinn ergeben. Obwohl ich nicht zu viel verrate, wenn ich schreibe, dass es sich bei Talan Gwynek tatsächlich um einen Werwolf handelt, wird ein wenig offen gelassen, ob er auch für den Überfall auf die Familie am Anfang verantwortlich ist, denn es gibt noch eine andere Möglichkeit, was geschehen sein könnte. Am Ende gibt es auch noch die kleine Möglichkeit, dass er den Endkampf überlebt hat und nun mordend durch Westeuropa zieht – auch, wenn eine andere Erklärung dafür wahrscheinlicher ist.

„Wer“ ist sicher kein Gore-Film, liefert aber eine ganze Menge recht harte Splatterszenen ab, vor allem die heftig zugerichteten Leichen des Vaters und des kleinen Jungen rechtfertigen die FSK 18-Freigabe für die ungeschnittene Fassung. Einige kleine Schockeffekte stellen sich aber dann doch wiederholt nur als zufällig aufgeschreckte harmlose Tiere heraus. Da hat man es ein wenig übertrieben. Für geübte Horror-Film-Gucker ist die Story ziemlich vorhersehbar, selbst am Ende gibt es wenige Überraschungsmomente. Dafür sorgen die Schauplätze in der zweiten Hälfte und ein ziemlich guter Soundtrack für Atmosphäre.

Bei den Darstellern ragt Newcomer Brian Scott O´Connor als körperlich wahnsinnig präsenter Wolfsmensch heraus. Bekanntestes Gesicht ist jedoch Hauptdarstellerin A.J. Cook, die man hauptsächlich aus „Criminal Minds“ kennt, die aber auch schon in zahlreichen weiteren bekannten Filmen und TV-Serien zu sehen war und hier eine sehr solide Leistung abliefert. Eine recht lange Karriere hat auch schon Sebastian Roché hinter sich. Ansonsten hat man die Rollen mit eher unbekannten Darstellern besetzt, von denen keiner besonders abfällt, aber auch nicht brillieren kann. Als Produzenten treten Leute auf, die zuvor schon mit „Paranormal Activity“ und „Insidious“ zu tun hatten und als Regisseur liefert William Brent Bell seinen bisher wohl besten Film ab.

Ob „Wer“ ein Revival des Werwolf-Films auslösen wird, wage ich mal zu bezweifeln. Auf jeden Fall kommt man hier aber einen überzeugenden Horrorfilm geboten, der auch aufgrund seiner nicht überlangen Laufzeit von rund 90 Minuten durchgehend spannend ist, nicht besonders gruselig, aber dafür mit einigen überraschenden Gewalt- und Blut-Spitzen.

Die deutsche Blu Ray Disc ist bei Ascot Elite erschienen und liefert eine sehr gute Bildqualität ab, wobei aufgrund der Machart als „Found Footage“-Film die Bildqualität von Szene zu Szene wechselt, was aber natürlich so gewollt ist. Am deutschen und englischen Ton und den deutschen Untertiteln gibt es nichts auszusetzen. Als Bonus gibt es zwei Trailer, zwei Making Of-Featurettes und ein paar Interviews, was die Blu Ray zu einer soliden Veröffentlichung macht. (A.P.)



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