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The Life of Chuck

(USA 2024)

Originaltitel: Life of Chuck, The
Alternativtitel:
Regie:
Mike Flanagan
Darsteller/Sprecher: Tom Hiddleston, Chiwetel Ejiofor, Karen Gillan, Mark Hamill, Mia Sara, Jacob Tremblay, Benjamin Pajak, Carl Lumbly, Annalise Basso, Nick Offerman,
Genre: - Drama - Science Fiction/Fantasy


Die Geschichte beginnt dort, wo andere Filme normalerweise aufhören würden. Die Welt wirkt seltsam brüchig. Kalifornien ist von Erdbeben geplagt, das Internet verabschiedet sich langsam aus dem Leben und am Himmel tauchen merkwürdige Botschaften auf, in denen einem gewissen Chuck für "39 großartige Jahre" gedankt wird. Mittendrin steht Marty Anderson, ein Lehrer, der gemeinsam mit seiner Exfrau Felicia Gordon versucht zu begreifen, warum überall plötzlich Werbung und Botschaften über diesen völlig unbekannten Mann auftauchen. Dieser Mann ist Charles "Chuck" Krantz. Chuck scheint zunächst ein ziemlich normaler Buchhalter zu sein. Der Film erzählt sein Leben rückwärts. Von den letzten Momenten über prägende Jahre im Erwachsenenalter bis zurück zu seiner Kindheit, als Chuck von seinen Großeltern Albie und Sarah Krantz aufgezogen wird. Albie, gespielt übrigens von Mark Hamill, ist ein nüchterner Zahlenmensch, während Sarah ihm eine Liebe zum Tanz und zur Freude am Leben vermittelt. Je weiter der Film zurückgeht, desto deutlicher wird, dass Chuck zwar ein scheinbar gewöhnlicher Mensch ist, sein Leben aber eine Art Echo im Universum hinterlässt. Begegnungen, Erinnerungen und kleine Zufälle verbinden sich zu einer Geschichte über ein einzelnes Leben, das letztlich größer ist, als es zunächst scheint...

Mike Flanagan ist so ein Regisseur, der sich in den letzten Jahren still und heimlich zu einer festen Größe im modernen Genre-Kino entwickelt hat. Viele kennen ihn von Serien wie "SPUK IN HILL HOUSE", andere von Kinofilmen wie "DOCTOR SLEEPS ERWACHEN". Gerade letzterer war ja schon eine ziemlich mutige Fortsetzung von Stanley Kubricks "SHINING", auch wenn sie mich nicht so begeistert hat. Flanagan hat dabei aber ein Talent bewiesen, das recht selten ist. Er kann Horror erzählen, ohne sich ausschließlich auf Grusel zu verlassen. Ihn interessieren Menschen. Und genau deshalb passt er erstaunlich gut zu Stephen King. Dieser wiederum ist eine dieser Figuren der Popkultur, die man eigentlich gar nicht mehr erklären muss. Der Mann hat über 60 Romane geschrieben und gefühlt die Hälfte davon wurde verfilmt. Viele denken bei ihm sofort an Monster, Clowns und übernatürliche Hotels. Dabei übersieht man leicht, dass King oft am besten ist, wenn er gar keinen Horror schreibt. Seine Kurzgeschichten und Novellen enthalten häufig diese melancholischen kleinen Lebensgeschichten, die irgendwo zwischen Fantasy, Alltag und existenzieller Nachdenkerei liegen. Ähnlich wie Haruki Murakami. "THE LIFE OF CHUCK" gehört genau in diese Kategorie. Die Vorlage erschien 2020 in der Sammlung "BLUTIGE NACHRICHTEN". Keine Monster, keine Axtmörder. Stattdessen eine ziemlich philosophische Idee. Jeder Mensch enthält gewissermaßen ein ganzes Universum. Wenn dieser Mensch stirbt, verschwindet auch dieses Universum.

Flanagan hat diese Idee erstaunlich respektvoll ins Kino übertragen. Der Film erzählt Chucks Leben in drei Kapiteln und zwar rückwärts. Genau wie in der geschriebenen Geschichte. Zuerst sehen wir das Ende der Welt. Danach das Erwachsenenleben. Und am Schluss die Kindheit. Das klingt zunächst etwas kompliziert, funktioniert aber erstaunlich gut. Man merkt recht schnell, dass der Film nicht auf einen Twist aus ist, sondern eher auf ein Gefühl. Und dieses Gefühl ist natürlich pure Melancholie. Klingt kitschig. Ist es manchmal auch. Aber auf eine halbwegs ehrliche Weise.

Besonders berühmt geworden ist inzwischen eine längere Tanzszene mitten im Film, in der Chuck spontan mit einer schlagzeugspielenden Straßenmusikerin tanzt. Das Ganze wurde über mehrere Tage gedreht und von der Choreografin Mandy Moore entwickelt. Eine Szene, die auf dem Papier vermutlich absurd klingt, im Film aber überraschend emotional wirkt.

Interessant ist auch, wie wenig spektakulär Flanagan die Apokalypse inszeniert. Wenn in Hollywood normalerweise die Welt untergeht, fliegen halbe Städte durch die Gegend. Hier verschwinden stattdessen Internetseiten, Stromnetze brechen zusammen und Sterne verschwinden einer nach dem anderen. Und trotzdem bleibt der Film letztlich erstaunlich optimistisch. In etwa: Das Leben ist chaotisch, manchmal absurd und endet garantiert schlecht. Aber zwischendurch kann man tanzen. Das klingt vielleicht nach Kalenderweisheit. Kommt aber trotzdem schön rüber. Einer der besten Filme der letzten Monate. (Haiko Herden(



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