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Crazy

(BRD 2000)

Originaltitel: Crazy
Alternativtitel:
Regie:
Hans-Christian Schmd
Darsteller/Sprecher: Robert Stadlober, Tom Schilling, Oona Devi Liebich, Willy Rachow, Christoph Ortmann, Joseph Bolz, Julia Hummer, Karoline Herfurth, Dagmar Manzel, Burghard Klaussner, Mira Bartuschek,
Genre: - Drama


Der halbseitig gelähmte Benjamin wird in ein Internat gesteckt, weil er bislang aus jeder anderen Schule geflogen ist. Durch seinen Zimmergenossen Janosch kommt er in eine kleine Clique hinein, die seinen schulischen Leistungen nicht gerade hilfreich ist. Parties mit Mädchen, die erste Liebe, ein legendärer Besuch in einem Striplokal, Freundschaft und einiges mehr...

Eine wirkliche Geschichte wird uns hier nicht erzählt, es sind mehr Momentaufnahmen eines Schuljahres, die uns Autor Benjamin Lebert hier präsentiert. Lebert ist zum Zeitpunkt des Schreibens erst 18 Jahre alt gewesen und der Roman wurde ein Bestseller. Das dann auch noch Hans-Christian Schmid Regie führte, konnte dem Ganzen nur zuträglich sein, denn er lieferte bereits mit "23 – NICHTS IST SO WIE ES SCHEINT" ein Meisterwerk ab. Großes Lob noch an Robert Stadlober, den man bereits aus "SONNENALLEE" kennt und der noch eine große Zukunft vor sich haben wird. "CRAZY" jedenfalls ist ein Film für sich, ein wenig komisch, ein wenig tragisch, ein wenig rührend, niemals langweilig, gut und vor allem sehr natürlich geschauspielert. Ein Film, der also unbedingt empfehlenswert ist und den man gesehen haben sollte, auch wenn man sonst keine deutschen Filme mag. (Haiko Herden)

"CRAZY" erzählt das Internatsleben des 16jährigen Benjamin Lebert nach dessen autobiografischem Roman. Statt Leben würde ich aber besser gleich Albtraum sagen, denn für Benjamin ist es eine einzige Tortur. Sein linker Arm ist von Geburt an gelähmt, das linke Bein schleppt er humpelnd hinter sich her. Schon die Anfangsszenen sind zum Steinerweichen. Da wird der arme Junge von seinen Eltern einfach im Hof eines Schloßinternats ausgesetzt und alleingelassen. Hier soll er im wiederholten Anlauf seinen Schulabschluß schaffen. Zimmergenosse Janosch nimmt ihn nicht gerade freundlich auf. Benny muß erstmal jede Menge Schikanen durch die neuen Kameraden und auch durch die Lehrer ertragen, ehe er in Janoschs Clique aufgenommen wird.

Die Handlung des Films besteht aus Episoden über die großen und kleinen Dinge, die Benny mit den Jungs im Internat erlebt. Da gibt es schon auch reichlich lustige Szenen, und der Regisseur hat einen Stil gefunden, der auch die meisten deprimierenden Stellen komisch wirken läßt. Das zentrale Thema, um das sich der Alltag der Schüler dreht, ist natürlich die erste Liebe und was da so an bisher nicht gekannten körperlichen Nebenwirkungen dazugehört. Das fängt damit an, dass die Jungs um die Wette auf einen Keks wichsen, und wer nicht trifft, muß ihn hinterher essen! Sicherlich eine der ältesten Fantasiegeschichten, die sich Jungs so erzählen - ich möchte mal einen treffen, der sowas wirklich mitgemacht hat, selbst Benjamin hat in der wahren Geschichte auch nur 'davon gehört'. Tom und Robert wollten sie Szene deshalb erst gar nicht spielen. Man ist mächtig gespannt, wie der Regisseur das im Film umgesetzt hat - verrat' ich natürlich nicht!

Schließlich passiert das wohl unvermeidliche: Die Freunde Benny und Janosch verlieben sich in dasselbe Mädchen. Der klassische Stoff eines Jugenddramas - in "CRAZY" einmal erfrischend anders dargestellt.

Obwohl der Film keine denkbare und undenkbare Flegelei auslässt, die sich pubertierende Jungs so leisten, ist das Schmunzeln immer nur von kurzer Dauer. "CRAZY" ist eigentlich ein furchtbar trauriger Film. Von allen unverstanden und umhergestoßen, von seiner Behinderung und seiner Schüchternheit gegeißelt, ist Benjamin ein todunglücklicher Junge. Ein Junge, der aus Angst und Gram vor seiner Unfähigkeit, die an ihn gestellten Erwartungen zu erfüllen, sich bis zur Grenze der Apathie in sich selbst zurückgezogen hat; so sehr hat er sich in seine Empfindsamkeit hineingesteigert, dass er auf breiter Front seelisch verletzlich ist. Und da wird kräftig reingeknüppelt. Jugend ist eine bittere Pille, das ist das, was Benjamins Lebensgeschichte eindrücklich klar macht, und was Robert Stadlober im Film absolut überzeugend rüberbringt. Man sieht ihn fast nur mit schmerzverzerrtem Gesicht und möchte am liebsten mitheulen. Auf den ersten Blick scheint alles eine endlose Aneinanderreihung von Klischees zu sein, wenn man sich's aber genau überlegt, ist alles einfach nur wahr. So ist die Welt nun mal, so behandelt sie sensible Teenagerseelen, so und nicht anders. Man fragt sich, weshalb das eigentlich so sein muß, weshalb die Zeit der Jugend so grausam sein muß. Auf diese Frage findet aber auch "CRAZY" keine Antwort. Es scheint eine Art moderner Reifeprüfung zu sein, ähnlich dem Initiationsritus bei Naturvölkern. Erst wenn er ein gewisses Maß an Leid durchgestanden hat, scheint ein junger Mensch als Erwachsener anerkannt zu werden. Zumindest, wer sich auf der Leinwand in Benny ein Stückchen wiedererkennt, wird dessen Qualen nachfühlen können. Emotionaler Volltreffer! (Gino Sandberg)



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